Buchempfehlung: Die angstfreie Organisation

Yeah, ein Name für viele Elemente, die für Veränderungen und Transformationen grundlegend sind: Psychologische Sicherheit. Auch wenn mir der Name nicht so wirklich gefällt und häufig auch mit „Wohlfühlen-Faktor“ oder „Kuschelkurs“ verbunden wird. Spoiler: ist es nicht und auch kein Nice to have. Sondern die Basis für Entwicklung, Innovation und Partizipation in Teams und Unternehmen.

Psychologische Sicherheit – worum geht`s und worum nicht

Laut Amy C. Edmondson wird psychologische Sicherheit allgemein „als eine Arbeitsatmosphäre bezeichnet, in der sich die Menschen ausdrücken und sie selbst sein können. Spezifischer kann man sagen, dass Mitarbeiter, die am Arbeitsplatz psychologische Sicherheit erfahren, sich ermuntert fühlen, Bedenken und Fehler zu äußern, ohne Angst vor Beschämung oder Strafe. Sie wissen, dass Fragen stellen, wenn sie sich einer Sache unsicher sind.“

Also ein Arbeitsumfeld in dem ich ohne Angst zugeben kann, einen Fehler gemacht zu haben und wo es dann darum geht, die Situation oder das Problem gemeinsam zu lösen, statt nach Schuldigen zu suchen. Ein Arbeitsumfeld, wo ich mich traue Ideen einzubringen, auch wenn diese vielleicht noch nicht völlig durchdacht und ausgereift sind. Wo ich das Gefühl habe, dass meine Meinung zählt und ich mir nicht komisch vorkomme, wenn ich Fragen stelle oder mir bei bestimmten Themen unsicher bin.

Amy C. Edmondson grenzt auch ab, was Psychologische Sicherheit nicht ist:

  • Psychologische Sicherheit bedeutet nicht, einfach nur nett zu sein
    Im Gegenteil psychologische Sicherheit sorgt dafür, dass produktive Meinungsverschiedenheiten und ein Austausch von Ideen überhaupt erst möglich wird.
  • Psychologische Sicherheit ist nicht nur ein anderes Wort für Vertrauen
    Edmondson sieht als einen entscheidenden Unterschied, dass psychologische Sicherheit auf der Ebene der Gruppe erfahren wird, während Vertrauen sich auf die Interaktionen zwischen Individuen oder verschiedenen Beteiligten bezieht.
  • Psychologische Sicherheit bedeutet nicht, dass man die Leistungsstandards heruntersetzt
    Es geht nicht darum, dass alles erlaubt ist oder darum, die Arbeit so angenehm wie möglich zu gestalten. Sondern über psychologische Sicherheit die Voraussetzungen für eine „ehrlichere, herausforderndere, kollaborativere und damit effektivere Arbeitsumgebung“ zu schaffen.

Lieblingsstellen & food for thought

  • „Eine Kultur des Schweigens ist eine gefährliche Kultur.„
    Wie oft erlebe ich in Unternehmen oder Teams, dass niemand etwas zu den möglichen Auswirkungen einer Veränderung sagt. Und das obwohl Bedenken oder Sorgen da sind. Oder dass der eigentlich im Raum stehende Punkt nicht angesprochen wird (Stichwort: Rosa Elefant). Oder dass alternative Wege zurückgehalten werden, aus Angst etwas Falsches zu sagen oder jemanden auf die Füße zu treten.
  • „Wenn sich Menschen psychologisch sicher genug fühlen, Einsichten, Meinungen oder Empfehlungen einzubringen, vermehrt sich das Wissen im Raum exponentiell.„
    Neue Blickwinkel und Ideen, Weiterentwicklung von Bestehendem, Innovation all das wird möglich, wenn jede Person sich mit ihrem individuellen Wissen und den Erfahrungen einbringt und Neues gemeinsam entwickelt wird. Und als Voraussetzung für dieses Einbringen muss ich mich sicher genug fühlen, halbfertige Gedanken auszusprechen, Dinge, die selbstverständlich scheinen, zu hinterfragen oder auch mal mutig meine abweichende Meinung zu äußern.
  • „Es liegt in der Verantwortung der Führungskräfte auf allen Ebenen der Organisation, psychologische Sicherheit aufzubauen und zu verstärken.“
    Edmondson gibt viele Anregungen für Führungskräfte was den Aufbau von psychologischer Sicherheit unterstützt, u.a. auch eine Selbsteinschätzung für Führungskräfte. Hier würde ich noch einen Schritt weitergehen: was kann jede einzelne Person im Unternehmen, im Team tun, um für psychologische Sicherheit zu sorgen oder diese zu stärken? (Notiz an mich: vielleicht ein weiterer Blogbeitrag😉)

Fazit

Was ich aus ´Die angstfreie Organisation` mitnehme: Impulse zum Nach- und Weiterdenken. Inspiration zu Möglichkeiten psychologische Sicherheit zu stärken. Einige Aha-Erlebnisse. Und auf jeden Fall den Wunsch einen weniger sperrigen Begriff dafür zu finden. Daher diese Empfehlung (aus Überzeugung) und ganz viel Spaß beim Lesen.

Die Autorin: Amy C. Edmondson

Amy C. Edmondson gilt als eine der einflussreichsten Denkerinnen im Bereich Management und Personalentwicklung und ist für ihre Arbeiten zum Thema Psychologische Sicherheit weltweit bekannt. Infos und Veröffentlichungen von ihr findest du hier.

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