Nachdem ich am Samstag ohne Spaghetti vom Einkaufen nach Hause kam, habe ich mich gefragt, wie wohl ein Hamsterkauf im Unverpackt Laden abläuft. Und diese Frage hat mich auf das Thema Verpackungsmüll bei geplanten Veränderungen in Organisationen gebracht. Ein ziemlicher wilder Gedankensprung…

Sind wir Verpackungskünstler?

97 Seiten PowerPoint, die tollsten Grafiken und Bilder, natürlich animiert. Schriftgröße 10, damit möglichst viel auf eine Seite passt. Zwei Stunden Vorbereitungsmeeting, Überarbeitung in Nachtschicht, eine Stunde Review durch den Chef-Chef, Überarbeitung in der nächsten Nachtschicht, der Dry run, Überarbeitung, die dritte… so oder so ähnlich sieht es häufig aus, wenn ein Meeting ansteht, das über eine bevorstehende Veränderung informieren soll. Das die Mitarbeiter auf den Weg in eine neue Organisation schickt oder zu einem anderen Verhalten auffordert.
Stunden an Arbeit, Unmengen an (verworfenen) Ideen, Feilen an der Darstellung, Feilschen um das richtige Symbol oder Bild -das Ergebnis: Slides, Slides, Slides, Folien, Folien, Folien – wie auch immer wir sie nennen.

Auspacken

Dann im Meeting: spätestens nach den ersten 10 Folien nicken die ersten weg, die Handys laufen auf Hochtouren, schließlich hat jeder noch eine Menge Arbeit zu erledigen, und die, die weiter hinten sitzen, können die Bullet Points sowieso nicht lesen. Immer schneller klickt sich der Präsentator durch die Slides. War vielleicht doch ein bisschen viel für die geplante Stunde und für die angekündigte Q&A Session reicht leider die Zeit nicht mehr. Und das obwohl wir die Fragen doch extra im Vorfeld eingesammelt und sorgfältig ausgesucht hatten. Kommt Ihnen bekannt vor?

Dann ist es Zeit für einen Perspektivwechsel.

Verpackungsmüll aka Wertstoff

Der Fokus liegt auf dem Inhalt, nicht auf der Verpackung – in Zeiten in denen die Unverpackt Läden aus dem Boden schießen, eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Doch an vielen Stellen produzieren wir unglaublich viel „Verpackungsmüll“ (politisch korrekter Ausdruck: Wertstoffe) in Form von PowerPoint Präsentationen. Würden wir die Anzahl der Slides im Meer verteilen, es wäre kein Blau mehr sichtbar. Es würde sich ein Präsentationsteppich bilden, der Offenheit und Ehrlichkeit bedeckt und absterben lässt. Braucht es tatsächlich so viel davon?

Achtung Mogelpackung

Die Verpackung ist hilfreich als zusätzliche Infoquelle und unterstützt die Botschaft. Eine schöne Verpackung macht Lust auf den Inhalt, sie kann schützen und einen Rahmen geben. Solange Verpackung und Inhalt im richtigen Verhältnis stehen – perfekt. Wenn allerdings die Verpackung im Vordergrund steht und womöglich noch viel zu groß für den Inhalt ist – Achtung, Mogelpackung Alarm.

Wieviel Verpackung braucht es?

Brauche ich für jede Paprika eine eigene Plastikhülle?
Müssen die eingelegten Oliven dreifach verpackt werden oder bringe ich einfach ein Schraubglas mit?
Bei anstehenden Veränderungen in Unternehmen und Organisationen ist Kommunikation und Information elementar. Ein durchdachtes, passendes Veränderungs- und Kommunikationskonzept ist dabei wichtig und notwendig – und auch eine ansprechende Verpackung der Inhalte ist hilfreich. Nicht um ihrer selbst willen, nicht um den Inhalt schöner, größer, toller wirken zu lassen, sondern um die Botschaft transparent zu machen und in einer Veränderung zu unterstützen.

Gerne auch mal unverpackt

Wie im Unverpackt Laden geht es um den Inhalt. Und der darf auch mal ganz direkt und ohne Schnickschnack präsentiert werden – in den Unverpackt Läden funktioniert das gut über Spendersysteme, die sogenannten Bulk Bins („Massenware Behälter“). Der Inhalt ist sichtbar für den Kunden, trotzdem gut geschützt und immer wieder auffüllbar.

In Veränderungen darf es durchaus auch mal „unverpackt“ zugehen – mit einem direkten Dialog zwischen den Menschen, die in der Veränderung stehen.
Mit einer persönlichen und ehrlichen Meinung. Mit Transparenz ohne Hochglanzpolitur.

In diesem Sinne: ran an die Leinentaschen, Bambusdosen, Schraubgläser…